Wie Berlin seine Marke zerstört

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Was für Paris der Eifelturm, für London der Big Ben ist für Berlin….die Mauer. Ja, wir haben kein besonders hübsches Wahrzeichen, aber Berlins Geschichte ist eben alles andere als hübsch. Der Todesstreifen, der Ost- von Westberlin trennte, war kein schöner Anblick, damals in den 80ern, als die Mauer noch dicht war. Heute pilgern dort jedes Jahr Tausende von Touristen aus aller Welt hin, um den authentischen Grusel der Teilung selbst zu erleben. Die Eastside Gallery ist kein Museum, das eine Geschichte illustrieren muss, sondern ein geschichtsträchtiger Ort, dessen Anblick viele Erklärungen über das Unrecht der DDR überflüssig macht. Falls Sie sich jetzt fragen, was das Thema in einem Werbeblog zu suchen hat: Auch große Unternehmen beschädigen häufig ihre Marke, das Logo wird durch Überarbeitung unkenntlich, die Produktpalette so weit aufgespreizt, dass der Verbraucher nicht mehr mitkommt, oder gewohnte und beliebte Services werden eingestellt. Und nun auch Berlin. Berlin zerstört die eigene Identität mit der Zerstörung der Mauer, die an Strahlkraft mit dem Brandenburger Tor gleichzusetzen ist. Mal wieder weiß natürlich keiner, wer für diesen Akt der Dummheit verantwortlich ist. Angeblich hat der Herr Finanzsenator Nußbaum die Bemühungen des Bezirks Berlin-Friedrichshain vereitelt, den Bauherren ein Alternativ-Grundstück anzubieten. Jetzt sollen auf dem ehemaligen Todesstreifen ein Hochhaus mit Eigentumswohnungen und ein Hotel entstehen. Zwei Mauerdurchbrüche werden dafür angeblich nötig. Es ist kaum davon auszugehen, dass 100.000ende Touristen deshalb diese Stadt besuchen, deren einträglichste Einnahmequelle der Tourismus ist. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die neuen Bewohner die ersten Lärmbelästigungsklagen gegen die am Spreeufer angesiedelten Clubs anstrengen.

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Freie Werbetexterin aus Berlin.

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