Fremd- und Selbstbild der Unternehmen

Eine interessante Untersuchung hat die Agentur cuecon aus Köln auf ihrer Homepage veröffentlicht. Sie untersuchte die Werbeaussagen des Lebensmitteleinzelhandels, von Versicherungen und der Baubranche im Vergleich zur Wahrnehmung der Kunden. Kaum überraschend, dass der Kunde durchaus weiß, dass bei Edeka nicht immer der Mitarbeiter im Mittelpunkt steht und Versicherungen häufig nur solange Partner ihrer Kunden sind, bis der Schadensfall einsetzt.
Kunden konsumieren schließlich nicht nur Werbung, sondern auch Nachrichten. Da dürfte es den wenigsten entgangen sein, dass einige Filialen des LEH durchaus Nachholbedarf haben, was die Entlohnung und Wertschätzung ihrer Mitarbeiter betrifft.
cuecon zieht daraus aber den Schluss, dass die Unternehmen in ihrer Werbekommunikation wahrhaftiger sein müssten, weil die Diskrepanz zwischen Schein und Sein ihnen schade. Eine reichlich waghalsige These. Natürlich ist es für Werber immer schön, wenn das zu bewerbende Produkt oder Unternehmen mit einem echten USP (Alleinstellungsmerkmal) aufwarten kann. Aber mit der Werbung bsw. von Edeka wird die Marke durchaus gelungen emotionalisiert. Das können auch gelegentlich öffentlich werdende Konflikte mit den Mitarbeitern nicht grundsätzlich zerstören. Anders sieht es mittlerweile bei den Versicherungen aus. Seit Jahren werden Verbraucher darauf hingewiesen, dass Versicherungen sich teilweise auch bei recht offensichtlichen Fällen gegen einen Ausgleich sperren und mit ihren Juristen Schadensfälle aussitzen. Hier besteht durchaus der Eindruck, dass nur Schirme verteilt werden, solange die Sonne scheint. Deshalb wäre es zwingend notwendig, prüfbar kundenfreundlichere Angebote zu entwickeln, die sich vom Wettbewerb abheben. (Dies haben einige Versicherungen bereits verstanden und umgesetzt) Eventuell sollten auch die Probleme der Versicherungswirtschaft bei der Abwägung eines Schadensfalles deutlicher hervorgehoben werden.

Die Einschätzungen aus der Studie von cuecon stammen aus Mitarbeiterbewertungen der Plattform kununu und Amazon Kundenbewertungen. An dieser Stelle hat sich für Unternehmen tatsächlich vieles geändert. Kunden tauschen sich untereinander aus und es ist davon abzuraten, Blogs und Foren zu unterwandern. Stattdessen sollten die öffentlich gemachten Bewertungen regelmäßig Bestandteil der Analyse werden und die Erkenntnisse in die Unternehmensstrategie einfließen. Bottom Up statt Top Down muss die Devise lauten, wenn Unternehmen auch im Jahrhundert der transparenten sozialen Kommunikation erfolgreich bleiben wollen.

Supergeil?

Jung von Matt hat für Edeka einen viralen Spot ins Netz gestellt, der dem Lebensmittel-Discounter eine Portion Hipness verpassen soll. Ein cooler Opa singt darin „Supergeil“ und hält Edeka-Produkte in die Kamera. Mir persönlich fehlt da ein wenig die Pointe, aber der Zielgruppe 12-25 die vermutlich angepeilt wird, könnte der Spot gefallen. Hohe Klickraten wurden jedenfalls erreicht. Die Strategie der Agentur, den Clip durch bezahlte Blogger zu stützen, ging somit auf. Die Blogger gaben in ihren Beiträgen übrigens an, dass es sich um einen Werbe-Blogbeitrag handelt, hat der Mission nicht geschadet.

Edeka wirbt mit Panda für mehr Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit allerorten, also auch bei Edeka. Der Lebensmittelmarkt konnte mit dem vergangenen TV-Clip nicht so recht überzeugen. (Zur Erinnerung: Edeka wollte sich Sympathiepunkte bei Menschen mit Migrationshintergrund erarbeiten „Ich kaufe Edeka“ war aber trotz der positiven Message und Kaya Yanar recht humorfrei und holprig.)
Nun ist im Supermarkt der Panda los und weist auf die Kooperation mit dem WWF hin. Das dürfte zu einigen „niedlich“ Aufschreien vor dem Fernseher sorgen und eher weniger kritische Konsumenten ansprechen. Den Niedlichkeitsfaktor und die Grundidee hätte man allerdings noch etwas deutlicher herausarbeiten können, der Panda ist etwas grob geraten, was Mimik und Gestik betrifft. Ein Besuch bsw. im Berliner Zoo hätte da Aufschluss geben können, was ein echter Panda in punkto Niedlichkeit alles draufhat, vermutlich hat aber die Zeit gefehlt, mehrere Tage vor einem bewegungslosen Panda zu sitzen, der Eukalyptus schmaust.
Hardcore Tierschützern und renitenten Ressourcensparern wird missfallen, dass der WWF im Hinblick auf Neutralität und Engagement nicht mehr völlig überzeugen kann. So werfen ihm Kritiker die zu große Nähe zu Unternehmen vor. Das dürfte die meisten Edeka-Kunden allerdings eher kalt und sie zielsicher in den vertrauten gelb-blauen Hafen schippern lassen, statt beim nächsten Bio-Supermarkt tierfreundliche Ware zu einzuladen.

Die Würstchen bei Edeka

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Ich bin ja schon einiges gewöhnt, was das Geschlechterbild gewisser Marketing-Abteilungen angeht, aber die Männer- und Frauenbratwurst bei Edeka ist wirklich reichlich lächerlich, wie Antje Schrupp in ihrem Blog zurecht moniert. Ich hoffe, die jeweiligen Bratwürste werden sehr weit weg voneinander angeboten, sollten sie nämlich in einer Truhe liegen, könnte die männliche und die weibliche Zielgruppe gleichermaßen vergrätzt werden. Die klassischen Grill- und Bratwurst-Freunde sehen nämlich ganz anders aus, als es auf den Produktbildern vermittelt wird. Bei diesem Sixpack wird so manchem Griller die Wurst vergehen. Und überhaupt: Sind die KäuferInnen bei Edeka wirklich so einfach gestrickt, dass sie bei solchen wurstigen Angeboten verstärkt zugreifen? Ich mag es nicht glauben.