Das Gefühl, betrogen worden zu sein

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Gerade geistert der Clip der Modemarke Wren mit den schicken Küssern durchs Netz, kurz nachdem Supergeil, den ich weiter unten verlinkt habe, für Furore gesorgt hat. Auf Facebook zeigen sich Menschen geradezu angekotzt von der Erkenntnis, wie so genannte „virale“ Clips von der Industrie gepusht werden. Blogger werden bezahlt, um über die Clips zu schreiben etc.
Ein interessantes Phänomen, auf das man achten sollte. Zu viel vorgegaukelte Authentizität scheint User zu ärgern. Besonders wenn so direkt Emotionen angesprochen werden wie in „First Kiss“. Eventuell sollten Marken wieder dazu übergehen, sich als Absender deutlicher zu machen, anstatt den Usern Content „unterzujubeln“. Wäre wert, darüber nachzudenken. Schließlich wollen Clips, dass man sie mag. Hinterher zu merken, dass sie von einer Marke stammen kann ein Gefühl hinterlassen, wie von einem Liebhaber betrogen worden zu sein.

Eventuell befinden wir uns in Phase II des viralen Marketings.

Interessant an dem Clip ist auch die Mischung aus werberischer Ästhetik und sozialem Experiment und die geradezu vorhersehbare Integration homosexueller Paare. Eventuell ein neuer Standard.

Supergeil?

Jung von Matt hat für Edeka einen viralen Spot ins Netz gestellt, der dem Lebensmittel-Discounter eine Portion Hipness verpassen soll. Ein cooler Opa singt darin „Supergeil“ und hält Edeka-Produkte in die Kamera. Mir persönlich fehlt da ein wenig die Pointe, aber der Zielgruppe 12-25 die vermutlich angepeilt wird, könnte der Spot gefallen. Hohe Klickraten wurden jedenfalls erreicht. Die Strategie der Agentur, den Clip durch bezahlte Blogger zu stützen, ging somit auf. Die Blogger gaben in ihren Beiträgen übrigens an, dass es sich um einen Werbe-Blogbeitrag handelt, hat der Mission nicht geschadet.